Die Katten

Geschichte, Riten und Wesen der Katten

Von allen Germanen beherrschen die Katten die Kunst des Krieges am Besten

In ihrer Disziplin und ihrem Organisationsgeschick vergleicht Tacitus die Katten mit den Römern.
Für Germanen gehen sie mit viel Überlegung und großem Geschick vor. Wie die römischen Legionäre führten sie Marschgepäck mit sich
und standen in fester Schlachtordnung.
Sie übertragen das Kommando ausgewählten Leuten, hören auf die Befehle ihrer Heerführer kennen geordnete militärische Verbände, nehmen günstige Gelegenheiten wahr, verschieben auch mal einen Angriff, verschanzen sich bei Nacht,
das Glück halten sie für unbeständig und nur die eigene Tapferkeit für beständig.
Was ganz selten vorkommt und sonst nur römischer militärischer Zucht vergönnt ist, sie setzen mehr auf den Heerführer als auf das Heer.
Ihre ganze Stärke liegt im Fußvolk, das sie außer mit Waffen auch mit Schanzzeug aus Eisen und mit Proviant beladen.
Die anderen Stämme kann man in eine Schlacht ziehen sehen, die Chatten dagegen in den Krieg

Der römische Geschichtsschreiber Tacitus berichtet in seiner Germania, dass die Katten mehr als andere germanische Stämme Bergbewohner seien und aus diesem Grund über festere Körper, sehnigere Glieder und einen regsameren Geist verfügen.
Des Weiteren nennt Tacitus einige Initiationsriten der Katten. Diese würden, sobald sie erwachsen seien, ihr Haupt- und Barthaar wachsen lassen und einer Gottheit weihen. Über dem getöteten Feind und den Beutewaffen schneiden sie sich die Haartracht ab und verkünden, dass sie nun ihres Stammes und ihrer Eltern würdig seien und ihre Geburt bezahlt hätten. Manche Katten kennzeichneten ihre Mitgliedschaft in einem Kriegerbund durch das Tragen eiserner Halsringe und behielten auch die wild wachsende Haartracht ihr gesamtes Leben lang bei. Zudem heirateten sie nicht und ließen sich von anderen Stammesangehörigen versorgen. Der römische Geschichtsschreiber Martial erwähnt, dass Katten und Bataver einen rötlichen Schaum herstellten, der teutonischem Haar Feuerfarbe
gebe.

Eingliederung in den fränkischen Stammesverband

Mit der Völkerwanderungszeit und der Herausbildung von Großstämmen auf germanischem Boden geht eine Siedlungsverdünnung in Hessen einher. Die Katten sind in diesem Zeitraum wohl dem Druck ihrer Nachbarn, den Franken im Westen, den Sachsen im Norden, den Thüringern im Osten und den Alemannen im Süden ausgesetzt. Möglicherweise nahmen aktivere Teile der Katten auch an der Entstehung jener germanischen Großstämme teil, worauf ein Bevölkerungsrückgang in kattischem Gebiet zurückzuführen sein könnte. Es kam auch zu Auseinandersetzungen mit Rom. So schildert der spätantike Geschichtsschreiber Sulpicius Alexander (nur erhalten als Auszug in den Historien des Gregor von Tours) einen Feldzug des römischen Magister Militum Arbogast gegen die Franken am Rhein Ende des 4. Jahrhunderts und berichtet in diesem Zusammenhang auch von den Katten und anderen Stämmen.
Gegen Ende des 5. Jahrhunderts gerieten die Katten wohl langsam unter die Oberhoheit der ausgreifenden Franken und wurden unter der Herrschaft Chlodwigs I. endgültig in das fränkische Königreich eingegliedert. Das Gebiet der Katten / Hessen diente den Franken anschließend als Ausgangsbasis für Feldzüge gegen die nördlich siedelnden Sachsen, die immer wieder in Kattisches und Fränkisches Gebiet eindrangen. Die Behauptung einer gewissen Teilautonomie der Katten gegenüber den Franken führte dazu, dass sich ihr Stammesname, in abgewandelter Form, bis heute halten konnte. Aus der Eingliederung in das fränkische Stammeskönigtum resultierte allerdings auch, dass aus dem Siedlungsgebiet der Katten bzw. Hessen im Frühmittelalter kein eigenes Stammesherzogtum hervorging.

Wandlung des Stammesnamen

Zu Beginn ihrer Zeit wurden sie Katten (Lat. Xatan) genannt,
danach kam Chatten, Chatti (ca. 100 n. Chr.), Hatti, Hazzi, Hassi (um 700 n. Chr.) danach Hessi. Bis dann im Jahre 738 n. Chr. der neue Name Hessen zum ersten Mal in der Geschichte auftritt. In einem Sendschreiben Papst Gregors an Bonifatius wurde von mehreren Kleinstämmen auf dem Gebiet der Katten berichtet. Erwähnt wurde neben den Lognai im mittleren und oberen Lahntal, den Wedrecii (möglicherweise im Wetschafttal)
und den Nistresi (auf der Korbacher Hochfläche) auch das Volk der Hessen (Populus Hassiorum), welches an der unteren Fulda siedelte.
Der Name Hessen wurde fortan als Sammelname auf alle Kattischen bzw. Klientel – Kattischen Gruppen in Nieder- und Oberhessen übertragen. (Siehe hierzu auch die zweite Lautverschiebung in der deutschen Sprache)

Die etymologische Herleitung des Stammesnamen der Hessen blieb wegen der langen Überlieferunglücke zwischen der letzten Erwähnung der Katten 213 und der ersten Erwähnung der Hessen 738 nie unumstritten. Der Wandel der Stammesbezeichnung wird heute in den Kontext der Ausdehnung des fränkischen  Machtbereichs auf ehemals kattisches Gebiet gestellt. Zudem stellte man Versuche an,
durch archäologische Befunde eine Kontinuität zwischen Katten und Hessen zu begründen, die in der Forschung als überzeugend betrachtet werden.
Entscheidend waren dabei die Ausgrabungen in den Wüstungen Geismar, Holzheim und bei Fritzlar in den 1970er Jahren.
Beide Orte waren wahrscheinlich von der jüngeren Eisenzeit bis ins Hochmittelalter durchgehend besiedelt.

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